FinanzKompakt – FIDLEG, Cicero, SAQ-Zertifizierung…

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03.08. 2017

Die Versicherungswirtschaft hat vor 2 ½-Jahre ein branchenweites Lernattestierungssystem mit dem Namen Cicero eingeführt; dafür wurden inzwischen gar TV-Spots geschalten. Immer mehr Banken führen interne Zertifizierungsprogramme ein: Die meisten setzen dabei auf die Personenzertifizierung der SAQ (Swiss Association for quality).

Warum das Ganze? Welches sind die Unterschiede in den Branchen? Und was hat das mit höherer Aus- und Weiterbildung zu tun?

Der Auslöser der Brancheninitiativen war die Entwicklung des FIDLEG, des Finanzdienstleistungsgesetz. Dieses Gesetz ist bis heute nicht in kraft. Derzeit wird erwartet, dass das Parlament in der Wintersession 2017/18 das Dossier fertig berät und eine Inkraftsetzung per 1.1.2019 erfolgen kann. Inwieweit da Pflichten zu Aus- und Weiterbildung umgesetzt werden wird sich weisen.

Cicero

Im Lernattestierungssystem der Versicherungswirtschaft müssen zwei Dinge unterschieden werden:

1. Aufnahmebedingungen erfüllen: Dafür muss eine Person eine der Ausbildungen abgeschlossen haben, die zur Aufnahme berechtigen. Viele Personen wählen dafür den Weg über den Zertifikatsabschluss „Versicherungsvermittler/in VBV“. Dies stellt den kürzesten Bildungsweg dar. Aber auch weitere Abschlüsse sind anerkannt, so auch die Abschlüsse der IAF (Dipl. Finanzberater/in IAF und Finanzplaner/in mit eidg. Fachausweis).
2. Weiterbildungspflichen erfüllen: Innert zweier Jahre müssen Cicero-Member – also die aufgenommenen Berater und Beraterinnen – 60 Weiterbildungscredits sammeln. 1 Credit entspricht einer Lernleistung von 45 Minuten. Credits dürfen nur registrierte Bildungsanbieter bei akkreditierten Bildungsangeboten erteilen. Die akkreditierten Weiterbildungen sind sehr vielfältig: Kurzvorträge, Seminare, Coaching, eLearning etc. Das Register führt die VBV-Fachstelle Cicero.

Mehr Informationen zu Cicero finden sich unter www.cicero.ch

Personenzertifizierung Banken

Während die Versicherungswirtschaft stark auf bestehenden Bildungsabschlüssen aufgebaut hat, haben die Banken einen komplett anderen Weg gewählt. Ursache dürfte primär sein, dass im internationalen Banking Zertifizierungen seit langem bekannt sind (USA, Asien etc.).

Viele Banken setzen auf die Personenzertifizierungen der SAQ:

• Zertifizierter Privatkundenberater
• Zertifizierter Individualkundenberater
• Zertifizierter Kundenberater Bank Vermögensverwaltung
• Zertifizierter Kundenberater Bank Firmen- und institutionelle Kunden

Die meisten Kundenberater/innen bereiten sich im Selbststudium auf die Prüfungen vor. Diese Prüfungen bestehen aus einem schriftlichen und einem mündlichen Teil. An dieser Prüfung belegen Kandidaten, dass sie die nötigen Grundkenntnisse und die Abläufe/Prozesse für ihren Beruf kennen.

Im Rahmen der Zertifizierungen werden keine oder kaum externe Aus- und Weiterbildungen anerkannt. Zertifikatsabschlüsse wie dipl. Finanzberater/in IAF, eidg. Fachausweis, eidg. Diplom, Fachhochschul- oder Uniabschluss…. gilt alles nicht als Äquivalenz. Einzig gewisse intern gesteuerte Ausbildungen können Banken teilweise im Prozess als Äquivalenzen einbringen. Die Personenzertifizierungen der SAQ entsprechend einer ISO-Norm und da gelten relativ starre Regeln.

Alle 3 Jahre müssen Kundenberatende im Rahmen von Re-Zertifizierungen belegen, dass ihr Wissen noch aktuell ist. Dies kann mit einer Wiederholung der Prüfung oder anderen Massnahmen erfolgen.

Mehr Informationen zu den Personenzertifizierungen finden sich unter www.bankenzertifikate.ch.

Höhere Aus- und Weiterbildung

Eine Personenzertifizierung ist keine höhere Ausbildung. Bei der Zertifizierung belegen Kandidaten an einer Prüfung, dass sie die nötigen Grundkenntnisse und die Abläufe/Prozesse für ihren Beruf kennen. Eine höhere Ausbildung versetzt Teilnehmende in die Lage anwendungsorientierte, vertiefte Kenntnisse zu erwerben, mit welchen sie sich weiterentwickeln können. In einer immer komplexeren und zunehmend digitalisierten Welt wäre es aus Sicht des Einzelnen ein gravierender Fehler sich auf eine Basis-Zertifizierung zu verlassen.

Diesen Aspekt hat die Versicherungswirtschaft begriffen und akkreditiert entsprechend branchenbezogene höhere Bildungsabschlüsse.

Es bleibt zu hoffen, dass die einzelnen Berater und Beraterinnen die Unterschiede zwischen einer Zertifizierung und einer höheren Bildung erkennen werden. Basiswissen ist digitalisierbar, nicht aber eine vernetzte. umfassende, sozialkompetente Kundenberatung. Um dem gerecht zu werden reichen die Zertifizierungen der Banken aber nicht aus.